Mal wieder eine Geschichte aus dem Leben oder auch nicht haha von thai69

Die Bahn schaukelte, als sie abbog. Aus müden Augen betrachtete ich die anderen Passagiere. Nur wenige schienen sich für ihre Umgebung zu interessieren, die meisten blickten stumpf aus dem Fenster oder zu Boden. Noch drei Haltestellen. Ich dachte an ein warmes Bad. Die Bahn hielt, eine Coladose rollte durch den Gang. Bald würde ich unter meine frische Federdecke schlüpfen. Eine Frau stieg ein. Sie sah sich um, kam auf mich zu. Seufzend nahm ich meinen Rucksack auf den Schoß. Sie setzte sich. Aus den Augenwinkeln musterte ich sie. Ihr Haar war hochgesteckt. Jeans, eine graue Bluse. Flache Schuhe, Handtasche. Nichts Außergewöhnliches, nichts Sehenswertes. Ich konnte den Blick nicht von ihr wenden „Wenn Sie genauer hinsehen, werden Sie auch die Ausläufer meines Tattoos erkennen.“ Sie sprach, ohne mich anzusehen. Ich starrte auf meine Fußspitzen, die Röte war mir in die Wangen geschossen. Sie neigte sich dicht zu meinem Ohr. Ich erschauerte. „Wenn Sie möchten, zeige ich es Ihnen.“ Verheißungsvoll strichen ihre Worte meinen Hals hinab, glitten übers Schlüsselbein und verloren sich in meiner Bluse. Ich zog den Rucksack an meine Brust. Da erhob sich die Fremde mit einem Lächeln. Ich sah ihr nach und noch im selben Moment stand ich neben ihr an der Tür. Die Türen sprangen auf, mir wurde bewusst, was ich tat. Aber ich konnte den Blick nicht von ihr wenden. Ihr Haar rabenschwarz, die Haut blütenweiß, die Augen wie Saphire funkelnd. Sie küsste mich vor allen Leuten „Sie wollen es sehen?“, fragte sie, nahm mich bei der Hand und setzte den Fuß aufs Pflaster. Ich tat den Schritt. Die Türen schlossen sich hinter uns. Ihre Hand legte sich auf meine Wange und unter den Blicken aller küsste sie mich. Ein Prickeln auf der Haut, ein vibrierendes Zittern auf den Lippen, so stand ich da und hörte meine Straßenbahn den Schienen folgen. Mit geschlossenen Augen spürte  ich dem Kuss nach. Weich und fest. Weich und fest drückten sich dieselben Lippen an die Kuhle unter meinem Ohr. „Komm!“, es war nur ein Hauch. Ich öffnete die Augen. Ein flüchtiger Kuss streifte meinen Mund, wischte das Kribbeln weg und hinterließ ein Summen. Schweigen folgte; und ich folgte ihr. Kein Gedanke war in dieser Welt. Nur das zarte Summen auf den Lippen. Schau mal hier rein. teil 2 folgt demnächst auf diesem Sender

Geschrieben von: thai69

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